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06.02.2013
Der Orient Express rollt wieder - live in Rehburg-Loccum - Besprechung in den Schaumburger Nachrichten
Erste Aufführung unseres musikalisch-literarischen Reisekrimis mit Rainer Iwersen als Sprecher




Instrumente bringen Orientexpress ins Rollen


Musikalische Lesung nach einem Roman von Graham Greene überzeugt mit Klangvielfalt


Rehburg (ade). Den Mythos vom König der Züge – dem Orientexpress – hat das Ensemble „Mellow Melange“ gemeinsam mit dem Schauspieler Rainer Iwersen heraufbeschworen. Als Vorlage für ihre musikalische Lesung bedienten sie sich des Romans „Orientexpress“ von Graham Greene. Töne, die wie Grollen, Rollen und leichtes Rumpeln anmuten, klingen von Klavier und Percussion aus dem Hintergrund.
Im belgischen Ostende startet die Reise – das steht auch unübersehbar auf einen alten Koffer geschrieben. Während der Schauspieler Rainer Iwersen seine Papiere auf einem weiteren Koffer ordnet, tönen die beiden Geigen in dem Quintett „Mellow Melange“ und setzen damit den Zug in Bewegung. Istanbul wird das Ziel sein – drei Tage Fahrt beschreibt das Buch von Graham Greene, nimmt sich darin einiger Menschen an und beschreibt sehr bildhaft die Begegnungen, die auf solch einer langen Reise nicht ausbleiben – von der Revuetänzerin und dem jüdischen Geschäftsmann, dem serbischen
Revolutionär und der Reporterin.
Ein guter Stoff, um ihn zu vertonen mit all seinen Emotionen auf der einen Seite und der wechselnden Landschaft unterwegs mit dem Orientexpress auf der anderen.
Den Musikern steht somit eine ganze Welt von Klängen offen, von Musik aus vielen Ländern und Kulturen und eben auch die Chance, Gefühle und Begebenheiten vertont auf die Bühne zu bringen. Diese Chance haben sie hervorragend genutzt.
Doch zurück zum Anfang. In das Rumpeln und Rollen der Bahnhofgeräusche stimmen die Geigen ein und lassen den legendären Zug erwartungsfroh starten. Das Ende der Reise nimmt eine Flöte vorweg, die mit orientalisch anmutenden Tönen einsetzt. Klezmer wird folgen, jazzige Phrasen, Klänge aus dem Balkan, Kammermusik – Vielfalt statt Eintönigkeit, wie es auch die Reise gen Orient verspricht.
Um die Geschichte zu verstehen, die die sechs Künstler erzählen, ist es indes nicht notwendig, Greenes Buch zu kennen. Die Auszüge, die Iwersen vorliest – mal begleitet und unterstützt von den Musikern,dann wieder den Saal nur mit seiner Stimme beherrschend – genügen vollkommen, um die Stimmung und Geschehnisse dieser Reise aus dem Winter 1930 im Orientexpress zu beschreiben – womöglich hat mancher der Gäste des Rehburg- Loccumer „Kultour- Vereins“ nach diesem Abend im Rehburger Bürgersaal die musikalisch untermalte Lektüre mehr verinnerlicht, als es ihm mit dem Buch selbst gelungen wäre.