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Interview im Weser-Kurier
Akustische Fahrt im Orient-Express






















Interview mit Komponist Ingo Höricht



Akustische Fahrt im Orientexpress



Wenn Komponisten Romane lesen, entsteht bisweilen in ihrem Kopf wie von selbst ein Soundtrack zur Geschichte. So ging es dem in Lemwerder wohnhaften Komponisten Ingo Höricht bei der Lektüre von Graham Greenes Orient-Express. Mit seiner Band Mellow Melange entstand daraufhin eine zum Großteil instrumentale Literaturvertonung, die am Donnerstag, 5. November, im Kito zu hören sein wird. Dazu liest der Bremer Schauspieler Rainer Iwersen Auszüge aus dem Erfolgsroman. Christian Pfeiff sprach mit dem Komponisten über das Projekt.



Was hat Sie dazu inspiriert, den „Orient-Express“ zu vertonen?



Ingo Höricht: Als ich das Buch gelesen habe, ist in meinem Kopf sofort Musik zu den Szenarien und der Handlung entstanden. Die Landschaften, durch die der Zug fährt, haben mich musikalisch schon immer sehr interessiert: Wien, der Balkan, Istanbul. Sowohl die handelnden Hauptfiguren als auch der Zug haben musikalische Leitmotive erhalten, die im Verlauf der Handlung beziehungsweise der Fahrt durch die verschiedenen Länder immer ein bisschen variieren. Ursprünglich wollte ich nur eine Instrumentalsuite verfassen. Auf die Idee, diese als musikalische Lesung auf die Bühne zu bringen, kam damals mein Freund Renato Grünig, der die Aufführungen des Projekts bis zu seinem Tod im Jahr 2010 auch als Sprecher begleitet hat. Man kann sich das Ganze wie ein Hörbuch mit Musik vorstellen, bei dem die Musik allerdings nicht nur als Zwischenspiel eingesetzt wird, sondern als gleichberechtigtes Erzählelement funktioniert. Text und Musik sind bei uns sehr eng miteinander verknüpft.



Also ein ähnliches Prinzip wie Tschaikowskis „Peter und der Wolf“?



Das kann man prinzipiell durchaus miteinander vergleichen, obwohl es stilistisch natürlich etwas völlig anderes ist. Unsere Musik ist eine Mischung aus melodischem Jazz, Folk und klassischer Kammermusik.



Die Rolle des Sprechers übernimmt jetzt Rainer Iwersen.



Rainer ist ein alter Freund von Renato Grünig, beide gehörten zu den Begründern der Bremer Shakespeare Company und er hat viele Aufführungen mit Renato miterlebt. Da auch Rainer und ich schon lange ein Projekt zusammen machen wollen, kam die Idee, das Projekt noch einmal auf die Bühne zu bringen, fast wie von selbst.



Die Aufführung im Kito wird jedoch auf absehbare Zeit die letzte des Projekts im Bremer Raum darstellen?



Wir spielen das Projekt jetzt auch schon wieder zwei Jahre, und da wir bereits an einem neuen Literaturmusikprojekt arbeiten, haben wir uns entschieden, dass die Vorstellung im Kito auf absehbare Zeit die letzte dieses Programms sein wird. Im kommenden Jahr werden wir ein Shakespeare-Projekt anlässlich dessen 400. Todestags präsentieren.



Zur Person:



Ingo Höricht studierte Violine und Komposition und arbeitet als freier Musiker, Komponist und Produzent. Seine Bands sind Mellow Melange und das Schné Ensemble, außerdem hat er eine Reihe von Alben mit anderen Musikern produziert.



Weitere Konzerte:



Nach dem Auftritt am 5. November, im Kito werden weitere Werke Hörichts in der Stadtkirche Vegesack an der Kirchheide zu hören sein. Der Komponist selbst nimmt dann allerdings in den Zuschauerreihen Platz: Am Sonnabend, 7. November, 17 Uhr, spielt das Hamburger Ponticulus Quartett unter der Leitung von Christine Philippsen unter dem Titel „Überall und Nirgends“ kammermusikalische Werke von Ingo Höricht für Streicher. Das Konzert begleitet die Veröffentlichung einer gleichnamigen CD.




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