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Pressebericht im Ostholsteiner Anzeiger über unseren Shakespeare Auftritt in Eutin
"Shakespeare mal ganz anders"


Wer dachte, Shakespeare gehöre der Vergangenheit an, hat keines seiner Sonette gehört, interpretiert von der Band „Mellow Melange“ und Petra Janina Schultz von der „Bremer Shakespeare Company“. Die überzeugten Donnerstagabend das Publikum im voll besetzten Binchen mit einem hinreißenden Konzert samt Lesung unter dem Titel „Nimm mich hin. Dein Will!“ von der Aktualität des Dichters, wenn es um den Ausdruck von Gefühlen geht.

21 von 154 Sonetten Shakespeares, die sich in der äußeren Form gleichen, inhaltlich sich aber allen fühlbaren Facetten der Liebe widmen, brachte die Band in unnachahmlicher Weise auf die Bühne. Fünf Musiker der Spitzenklasse, die eine enorme Zahl unterschiedlicher Instrumente perfekt beherrschen und folglich im schönsten Sinne damit spielen können. Fünf Vollblutmusiker, die in feinster Weise jazzen, in deren Musik sich Elemente unterschiedlicher Richtungen mischen und deren Sound dadurch ein ganz eigener wird.

Da ist zum einen der exzellente Saxophonist Mathias Schinkopf, der neben seinem Tenor- und Sopransaxophon auch Querflöte, Cajón und Percussion und schließlich auch noch Blockflöte brillant musiziert und dessen Soli atemlos horchen lassen. Zum anderen ist da der Komponist der Band, Ingo Höricht, der Viola, Violine, Gitarre spielt und, wenn’s halt passt, ebenfalls die Blockflöte zur Hand nimmt. Ihn haben die Sonette so inspiriert, dass er die treibende Kraft für die Komposition war. Dabei sagt der aus dem klassischen Fach Kommende, dass er seine eigenen Songs manchmal kaum wiedererkenne, wenn sie erst in der Gruppe angekommen seien.

Dann ist da der Bassist, David Jehn, auch er komponiert für die Band, begeistert mit seinem Kontrabass wie mit der Mandoline und Marimba. Michael Berger ist eher selbst sein Klavier, als dass er es spielt. Es entsteht der Eindruck, dass er zum Leben nichts anderes braucht als ein Klavier, zum Musizieren, zum Sein. Berührend schön.

Und dann ist da Sonja Firker, die die von Rainer Iwersen ins Deutsche übersetzten und von Janina Schultz ausdrucksstark gelesenen Sonette im Original singt. Sie singt nicht nur mit hervorragender Stimme, sondern spielt, tanzt, genießt, macht an, nimmt die Geige zur Hand und ergänzt sich selbst mit der Blockflöte.



Auch das ist besonders an dieser Band: mit welchem Vergnügen beinah jeder von ihnen in der Lage ist, verschiedene Streich- oder Blasinstrumente zu spielen, mit wie viel Spaß im Kontakt miteinander sie das Publikum anstecken und wie wenige Gesten genügen, um das Auditorium in schallendes Gelächter ausbrechen zu lassen.

Janina Schultz liest mit unverhohlenem Vergnügen, deklamiert genüsslich und lebendig die teils überraschenden Texte, nutzt behände den Kontakt zur Band und flirtet mit den Gästen im Saal, erotisch, selbstironisch, witzig.

Was klanglich geradezu artig und an den Musikstil des 17. Jahrhunderts erinnernd begann, entwickelte sich im Lauf des Abends zu einem Fächer verschiedener Stile über Folklore, Chanson bis hin zu schönstem modernem Jazz, gespickt mit frechen Einlagen, anspruchsvoll, gefühlsstark und in jeder Hinsicht überzeugend.



Nicht nur die Mitglieder des Kulturbunds, für die die Veranstaltung ein Dank für die Unterstützung im vergangenen Jahr war, drückten ihre Begeisterung sowohl in kräftigen Bravo-Rufen als auch mit gewaltigem Zwischenapplaus aus und sprachen noch nach der Vorstellung mit leuchtenden Augen miteinander, um das Erlebte zu teilen. Geforderte Zugaben entfielen indes aus einem banalen Grund: Sonja Firker musste den letzten Zug erreichen, mit dem sie noch am Abend nach Bremen zurück fuhr.




https://www.shz.de/lokales/ostholsteiner-anzeiger/shakespeare-mal-ganz-anders-id26959012.html