Auftrittskritiken || CD-Rezensionen
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Die Wanderer

Weser Kurier / Achimer Kurier vom 29.2.2016 (David Rosengart)

Schné-Ensemble liefert reizendes Konzert im Kasch / Vielfalt in jedweder Hinsicht

Die Wanderer

David Rosengart 29.02.2016

"Instrumental und inhaltlich variantenreich, sie wechseln zwischen Genres und Themen, die Texte mal auf Deutsch, mal auf Englisch, mal Französisch – Vielfalt in jedweder Hinsicht. Das Schné-Ensemble, auch mit Musikern aus der Weserstadt besetzt, hat sich der Vielseitigkeit verschrieben. Ohne Ausnahme.
Instrumental variantenreich zeigte sich das Schné-Ensemble im Achimer Kasch am Freitagabend. Mal massenkompatibel, mal experimentell überraschten die Musiker ihr Publikum mit immer neuen Klängen. Sängerin gibt der Band ihren Namen.

Innerhalb eines Liedes variieren sie musikalisch und inhaltlich, gleiches gilt für das gesamte umfangreiche Repertoire. Mal geht es um eine reichlich liebestrunkene Huldigung des Gegenübers, mal um einen schmerzhaften aber entschlossenen Schlussstrich. In einem kann sich der Zuhörer sicher sein: Den nächsten Song wird man garantiert nicht erahnen können. Mal klingt das Sextett deutlich massenkompatibel mit starken Elementen aus Pop, mal wird Lyrik fast schon experimentell verdichtet.

Am vergangenen Freitagabend stand die facettenreiche Combo erstmalig im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) auf der Bühne. Im ausverkauften blauen Saal konnten die Musiker aufspielen. Mit dabei waren diverse bekannte Gesichter: Einige der Musiker um Ingo Höricht sind auch in anderen Formationen vertreten und Mitglieder der hiesigen Musikschule. Das Schné-Ensemble gibt es noch nicht allzu lange. Der Name entstammt der feengleichen Frontfrau. Sie nennt sich Schné. Die Entführung in neue Klangwelten gefällt dem Publikum, von Beginn an gibt es
reichlich Applaus. Musiker und Zuhörer zugleich sind Wanderer ins Formenreichtum an diesem Abend.

Musiker wagen viel

Die Musiker setzen auf Eigenkompositionen zwischen Chanson, Jazz, Pop und Folk. Immer wieder tauchen Kammerelemente auf. Das aktuelle Album „Pierrot, Pierrot, Pierrot“ wurde mit dem Rock- und Pop-Preis ausgezeichnet, eine Live-DVD wurde ebenfalls bereits aufgenommen. Das große Ensemble wagt künstlerisch Vieles, setzt vor allem auf die Vertonung von Lyrik.

Bertolt Brecht ist prominent im Repertoire vertreten. Mit dessen unverwechselbarer Schlitzohrigkeit und sezierender Beobachtungsgabe begeben sich die Musiker auf den musikalischen Weg. Da wäre zum Beispiel „Vom Schwimmen in Seen und Flüssen“ – eine lyrische Liebeserklärung an den Sommer, das Neue, das Veränderte.

Diese Botschaft wissen Schné & Co. auch musikalisch zu vermitteln. Mit ihrer vielseitigen Stimme – zwischen mädchenhafter Weichheit und trotziger Widerspenstigkeit – verleiht die Hauptsängerin dem Ensemble eine einzigartige Vielfalt. Vortrefflich werden Stimmungsbild und Klangfarben kontrastiert. Eben noch lebendig, groovig und temporeich ist der nächste Titel eine beschwipste Chanson. Immer wieder gibt es einen Hang zum Experimentellen, zum Neuen. Die Zuhörer sind zunehmend begeistert, wissen die Mannigfaltigkeit zu schätzen.

Das zeigt sich auch in der Zusammensetzung des Sextetts: Schné (Gesang, Gitarre), Ingo Höricht (Violine, Gitarre), Mariska Nijhof (Akkordeon, Gesang), Michael Berger (Klavier), Matthias Schinkopf (Klarinette, Saxofon, Querflöte, Percussion) und David Jehn (Kontrabass, Gesang).

Mehr instrumentale Vielschichtigkeit geht kaum. Und selbst eine altgediente Schreibmaschine findet Einzug in die musikalische Gesamtkomposition des Abends. Frenetischer Applaus, lautstarke Zustimmung – der Konzertabend ist mehr als gelungen. Die musikalische Botschaft hat gefruchtet. Vom Schné-Ensemble wird sicher noch zu hören sein.



Mellow Melange zurück im Kulturhaus

Weser Kurier 2.2.15 (Wilfried Adelmann)

"Die Präsentation ihres neuen Konzeptalbums „Handbag“ fand denn auch im ausverkauften Blauen Saal statt und begeisterte die Fans und die aus Neugier Gekommenen.

Eine rote Handtasche stand im Vordergrund. Sonja Firker, Gesang und Geige, öffnete immer wieder dieses Utensil und für jeden Gegenstand, den sie aus der Tasche holte, erzählte sie eine kleine Geschichte, die dann als Anlass für das darauf folgende Musikstück fungierte. Gerade die vollgepackte Handtasche ist ein Sinnbild für das Konzept von Mellow Melange. Die Mischung aus Jazz, Pop und Folklore macht ihre Musik aus und lässt den Griff in die Damentasche meist in einer Überraschung enden. Meist, da der Inhalt dieses unersetzlichen Begleitinstruments gewisse Wahrscheinlichkeiten erfüllt.

So begann der Abend mit einem Musikstück, das den Lippenstift als Thema herausnahm. „Lipstick“ zeigte gleich zu Anfang, wie das virtuose Zusammenspiel der Musiker eine heitere Atmosphäre erzeugen kann. Zarte Töne, kraftvolle, akzentuierte Einstiege der Instrumente in den Verlauf der Musiken betonten das Anliegen der Musiker, die Erwartungen des Publikums immer wieder durch die Mischung der Musikgenres zu brechen und mal mit sanften Tönen, mal mit schrägen Skifflearrangements die Zuhörer an die Darbietung zu fesseln.

Kompositionen und Arrangements stammen fast alle von Ingo Höricht. Der Bandleader spielt Geige, Gitarre und Bratsche und hat schon, neben seinen Musiken für Film und Theater, mit Inga Rumpf und Joe Dinkelbach gearbeitet. Der Bassist und Sänger David Jehn steuerte ebenfalls einige Kompositionen bei und ist Dozent für E- und Kontrabass an der Hochschule für Musik in Bremen. Matthias Schinkopf ist für die Blasinstrumente und die Percussion der Gruppe verantwortlich und begeisterte immer wieder mit seinen Klarinetten- und Saxofonsoli das Publikum. Am Klavier saß Michael Berger, der bereits mit John Abercrombie, Serge Weber und Uli Beckerhoff musikalisch gearbeitet hat. Mit ihrem umfangreichen Ausdrucksvolumen spielt Sonja Firker nicht nur Geige und singt, sondern überraschte mit einem Blockflötenspiel die Gäste. Auf die Frage von Ingo Höricht „was sie denn auf diesem Instrument spielen kann?“ antwortete die Preisträgerin des Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert: „Alles.“ Um diese ungeheure Selbstsicherheit zu hinterfragen, so Höricht, „habe ich ihr ein Stück mit vielen Kreuzen geschrieben...“ Nun war das Publikum gespannt, und Sonja Firker legte los. Sie erzeugte aus dem, oftmals unterschätztem Instrument, Töne, die alle im Blauen Saal des Kasch überraschten und begeistert mitgehen ließen. Auch Sonja Firker spielt in anderen Formationen und ist doch immer wieder bereit, sich mit den anderen Musikern zu Mellow Melange zusammen zu finden und eine Show zu präsentieren, die die verschiedenen Zusammenhänge, aus denen die Gruppenmitglieder kommen, zu einem Gemisch verschmelzen lässt, das so in der Republik kaum zu finden ist....
Es ist nicht der Mainstream, der eine Richtung favorisiert, sondern die Mischung aus Verschiedenem, die die Darbietung so unterhaltsam und eindringlich machte, dass am Ende nicht nur geklatscht, sondern auch mit den Füßen getrampelt wurde."